
„Wir können, wir wollen, aber wir müssen nicht Meister werden.“ So brachte Walter Schachner die Situation des LIEBHERR GAK als Underdog im Kampf um die österreichische Meisterschaft 2003/04 auf den Punkt. Und so begannen erst nach und nach immer mehr GAK-Fans daran zu glauben, dass das, worauf sie seit Jahren oder sogar Jahrzehnten gewartet hatten, tatsächlich Wirklichkeit werden könnte. Ein Rückblick auf einige wichtige Schritte auf dem Weg zum ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte.
Herbst 2003: Roland Kollmann trifft und trifft (insgesamt sollten es in dieser Saison 27 Meisterschafts-Tore werden) und hält den GAK somit auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze – so kann man diese Herbstsaison in einem Satz zusammen fassen. Dabei hatte die Mannschaft im September die tiefste Krise der Saison zu bewältigen – nach dem unglücklichen Ausscheiden in der CL-Qualifikation gegen Ajax Amsterdam folgte im UEFA-Cup gleich der nächste Tiefschlag gegen Valerenga Oslo. In der Meisterschaft betrug der Rückstand auf die Tabellenspitze zu diesem Zeitpunkt bereits elf Punkte. Doch nach einigen Umstellungen in der Mannschaft gelang ein überraschender 1:0-Auswärtssieg bei der Austria, mit dem eine bemerkenswerte Aufholjagd begann. Acht Spiele, 13 Tore und 19 Punkte später überwinterte man auf Platz drei der Tabelle...
April 2004: Dreimal musste der GAK im April in Wien antreten, dreimal ging er dabei als überlegener Sieger vom Platz und legte somit den Grundstein für Meistertitel und Cupsieg. Beim 4:0-Auswärtssieg gegen Rapid erzielten Samir Muratovic und Libor Sionko, beide im Winter zur Mannschaft gestoßen und sofort zu absoluten Leistungsträgern gereift, ihre Premieren-Tore in Rot. Drei Wochen später gab es am Mittwoch im Cup-Viertelfinale ebenfalls einen Sieg gegen Rapid und am Sonntag dann den größten Schritt in Richtung Meistertitel durch einen 3:1-Sieg gegen die Austria im Horr-Stadion. Mit der wahrscheinlich besten Leistung der Saison hatte man die Startruppe durchwegs im Griff, Bazina, Kollmann und Amerhauser konnten die taktische Überlegenheit auch in Tore ummünzen. Das war der Moment, als auch die größten Skeptiker an den Titel zu glauben begannen.
15. Mai 2004 – der Meistertitel: Nachdem man im Derby gegen Sturm einen weiteren Schritt in Richtung Titel gemacht hatte, wurde der Traum im Heimspiel gegen Pasching Wirklichkeit. Dank der Schützenhilfe von Mattersburg unter dem ehemaligen GAK-Trainer Werner Gregoritsch reichte dem GAK ein 1:1 zum größten Triumph in der Vereinsgeschichte. Um 17:17 Uhr waren Mannschaft, Trainer, Präsident und Fans zu Tränen gerührt, anschließend folgte am Stadionvorplatz die schönste – weil spontane und improvisierte – Meisterfeier. Es sollten in den nächten Tagen noch einige folgen: Am Donnerstag in der Südstadt, wohin in der letzten Meisterschaftsrunde 9.000 GAK-Fans gekommen waren, um den Meisterteller „abzuholen“ und am Freitag am GAK-Platz in der Körösistraße. Und tagelang ständig irgendwo in Graz oder der Steiermark.
Der Cupsieg: Es wurde die Stunde des Franz Almer. Bereits vor dem Derby, als sich Andreas Schranz ohne Fremdeinwirkung im Training verletzt hatte, wurde Almer – er war nur einige Tage zuvor offiziell zurück getreten und war in Gedanken schon bei seinem neuen Job in der Akademie – reaktiviert. Der Routinier meisterte die letzten drei Meisterschafts-Partien mit Bravour und machte sich im Cupfinale endgültig unsterblich. Zum zweiten Mal nach 2000 parierte er im Elfmeter-Schießen den entscheidenden Strafstoß (nach der regulären Spielzeit war es 2:2, nach Verlängerung 3:3 gestanden) und krönte die erfolgreichste Saison des GAK mit dem Double.
Pressereaktionen: Dass der GAK der „Meister der Herzen“ sei, wurde Präsident Rudi Roth nicht müde zu betonen. Die Reaktionen der Medien in den Tagen nach dem historischen Erfolg gaben ihm Recht. „Ein Traum in Rot“ titelte die Kleine Zeitung und hatte einen Meilenstein gesehen: „Der GAK hat mit dem gestrigen Tag das Image abgelegt, ein guter, aber kein großer Klub zu sein.“ Noch euphorischer gab sich der Kurier („Der 15. Mai wird für alle Zeiten einen fixen Platz im Geschichtsbuch haben. Zumindest im rotweißroten für fußballtechnische Heldentaten. Der GAK ist österreichischer Meister.“), analytischer der Standard („Der GAK hat den Titel gewonnen, die Austria hat ihn verloren. Beide Lesearten eines Wettbewerbes enthalten viele Wahrheiten.“). Und für die Sportwoche handelte es sich schlicht um das „Wunder GAK“...